Da die Flüchtlingszahlen immer weiter ansteigen, hatte der Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration, Dr. Wolfgang Dippel, am Freitag bekannt gegeben, dass am Wochenende eine Flüchtlingsunterkunft in Fulda eingerichtet wird. Übergangsweise sehe das Land keine andere Möglichkeit als auf Zeltunterkünfte zurückzugreifen – die Erstaufnahmestation in Gießen sei laut Dippel belegt. Da erfahrungsgemäß gerade an den Wochenenden mit hohen Zugangszahlen zu rechnen sei, müsse Fulda gut gerüstet sein. Die Entscheidung für das Lager sei laut Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld endgültig erst am Freitagmorgen gefallen. „Dass das alles so schnell ging, ist auch ein Ausdruck, wie groß die Not tatsächlich ist. Aus Gießen werden Flüchtlinge aus verschiedenen Nationen mit Bussen nach Fulda gebracht. Das Thema hat eine so große Dynamik, deswegen kann ich nicht ausschließen, dass die Flüchtlinge dauerhaft in Fulda bleiben“, so Wingenfeld.
Nach ersten Informationen sollten die ersten circa 200 Flüchtlinge bereits am Samstagmittag in die Barockstadt kommen – mittlerweile hat sich der Termin auf Montag verschoben. Sofort wurde der Platz geräumt und die ersten Hilfstrupps rollten an. Über Nacht wurden die großen Zelte aufgebaut. Am Abend waren auch gleich Landrat Bernd Woide und Regierungspräsident Lars Witteck aus Gießen vor Ort. Am Samstagmorgen wurden dann noch Sandsäcke verteilt. Gegen Mittag rollten Anhänger mit etlichen Toilettenhäuschen an – diese werden entlang des Zauns, der das Gelände zur Straße abgrenzt, aufgestellt. Ein paar Schaulustige trieben sich auch am Samstagmittag vor der Anlage rum. „Das Land hat uns in Kenntnis gesetzt, dass die ersten Flüchtlinge erst am Montag kommen. Bislang sind wir auch davon ausgegangen, dass es heute schon losgeht“. Für die Einsatzhelfer bedeutet das erstmal kurz durchatmen, fertig sind sie mit der Errichtung der Notunterkunft nämlich noch nicht. In jedem der insgesamt 48 Zelte müssen Paletten verlegt und anschließend mit Spanplatten verschraubt werden. Schließlich müssen die Betten auch vor Regen geschützt sein. In einem Zelt finden circa zwölf Personen Platz. Außerdem müssen noch Stromleitungen gelegt werden, sodass die Bewohner zumindest Licht im Zelt haben. Im vorderen Bereich des Lagers wurden auch extra Zelte für die Organisation und Anmeldung eingerichtet. Unter den Einsatzkräften läuft die Verständigung recht gut – jeder weiß was er zu tun hat und packt mit an, wo es fehlt. Eine solche Aufgabe stellt für die Helfer eine große Herausforderung dar – eine Flüchtlingsunterkunft in einem solchen Ausmaß gab es in Fulda bislang noch nicht.
Wie es in Zukunft weiter geht, weiß bislang noch niemand so richtig. „Solange es das Wetter erlaubt, werden die Flüchtlinge in den Zelten untergebracht bleiben. Bis Oktober sollte das möglich sein. Eine dauerhafte Lösung in der Flüchtlingspolitik können diese Verfahren natürlich nicht sein“, erklärt Bürgermeister Dag Wehner. Der Bund sei bereits dabei, das Aufnahmeverfahren zu optimieren. „Finanziert wird die Versorgung und Unterbringung der Flüchtlinge auf dem Polizeigelände vom Land, wir stellen nur den Standort“, so Wehner. Derweil ist Stadtbaurat Daniel Schreiner dabei zu prüfen, wo die Flüchtlinge im Winter untergebracht werden können. Eine Möglichkeit wären leerstehende Hallen oder Kirchengebäude. „Da steht noch gar nichts fest. Wir wurden mit dieser Entscheidung ins kalte Wasser geworden. Das ist brutal – aber auch spannend. Wir wollen uns auch in Zukunft unserer Verantwortung nicht entziehen, Fulda aber natürlich auch nicht überfluten“, sagt Schreiner. In der Zwischenzeit haben auch immer mehr Helfer ihre Unterstützung zugesagt. Der Getränke-Großhändler Heurich liefert Mineralwasser und die Firma Frucht Hartmann hat bereits 800 Äpfel und Bananen gebracht. Die gleiche Menge folgte am Samstag und auch für Sonntag haben sie ihre Unterstützung zugesagt.
