In ihrer Geschäftsordnung hat die Gemeindevertretung festgelegt, dass eine Sitzung in der Regeln nicht länger als drei Stunden dauert. Erst nach zweieinhalb Stunden waren die Anträge abgearbeitet – obwohl Sven Haustein, stellvertretender Vorsitzender der Gemeindevertretung und Sitzungsleiter, mehrfach auf die fortschreitende Zeit hingewiesen hatte. Die Mehrheit, hauptsächlich aus den beiden größten Fraktionen CDU und Grüne, votierte gegen eine Verlängerung der Sitzung. Nun wird Petersberg mindestens bis Januar auf einen Haushalt warten müssen. Bürgermeisterin Claudia Brandes hatte darauf hingewiesen, dass der Haushalt noch vor Jahresende beschlossen werden sollte: „Je länger wir auf einen genehmigten Haushalt warten müssen, umso später können wir anfangen zu planen und umsetzen, was Sie beschlossen haben.“
In ihren Beschlüssen waren die Fraktionen sich eher einig, zu sparen. Anträge mit Mehrausgaben hatten kaum Chancen, angenommen zu werden. Nicht weiterplanen muss die Verwaltung in einigen Punkten. Auf Antrag der CDU wurden die 75.000 Euro für einen Bürgerbus erst einmal mit einem Sperrvermerk versehen, bis ein fertiges Konzept und eine Förderzusage des Landes vorliegt. Komplett gestrichen, ebenfalls auf Antrag der CDU bei einem gleichlautenden Antrag der Linken, wurden 50.000 Euro, von denen 30.000 Euro gefördert worden wären, für Bike-Sharing – und das ohne Gegenstimme. Um mindestens ein Jahr verschoben wird die Anschaffung eines Spezialmähers zur Grünflächenpflege. Ohne Berücksichtigung der Förderung seien es Kosten von 18.000 Euro. Christian Bug (CDU) verwies aber auf die hohen Betriebskosten und fragte, ob durch „Verträge“ mit ortsansässigen Landwirten, die entlang ihrer Felder eventuell Grünpflege mitübernehmen könnten, oder auch Lohnunternehmen, die bereits über Spezialmäher verfügen, oder Naturschutzmaßnahmen wie Ziegen oder Schafe“ Kosten gespart werden könnten.
Die Kosten für ein Grünflächenpflegekonzept und eine Machbarkeitsstudie zu einem Wärmenetz in Höhe von zusammen 330.000 Euro, wovon 228.000 gefördert worden wären, werden auf Antrag der FDP gestrichen. Prof. Dr. Thomas Stegmann begründete den Antrag damit, dass für „genau diese Planungen“ doch die Klimaschutzmanagerin eingestellt wurde. Neben der FDP folgten CDU und Linke dieser Argumentation. 100.000 Euro für „investigative Klimaschutzmaßnahmen“ wünschte für die Grünen Kerstin Hüsemann: „Klimaschutz ist eines der drängendsten Probleme unserer Gesellschaft. Die Herausforderungen werden immer komplexer und teurer“. Christian Bug widersprach dem nicht komplett: „Die Veränderungen durch den Klimaschutz sind nicht abstrakt. Was sehr abstrakt ist, ist dieser Antrag. So können wir nicht zustimmen“.
Ausnahmen beim Einsparen waren weitere 55.000 Euro zur Erneuerung des Dorfangers in Steinhaus. Dort wurden bis vor kurzem die Kindergartenkinder in Containern betreut. Claudia Brandes erklärte die Erhöhung damit, dass es sich um Wünsche des Ortsbeirats handle. Andreas Trost (CDU) verwies auf die Belastung dort in den vergangenen zwei Jahren, in denen der als Festplatz genutzte Anger nicht auf diese Weise genutzt werden konnte. Mit einem Ergebnis von elf zustimmenden Stimmen bei 26 Enthaltungen soll es außerhalb des Ortes auf dem Weg zum Tegut eine Querungshilfe geben. Die genehmigten Kosten von 14.000 Euro sollen gedeckt werden, indem auf den Rückbau des Fußwegs, der während der Baumaßnahme zum Radweg genutzt wurde, verzichtet wird. Veranschlagte Einsparung: 15.000 Euro. Hierfür votierten nur sechs Gemeindevertreter, 31 enthielten sich. Der Weg war nie genehmigt, sondern eher ein geduldeter Pfad durch ein naturschutzrechtlich geschütztes Gebiet. Bürgermeister Brandes hatte auf die Situation verwiesen: „Wenn der Weg nicht zurückgebaut wird, könnte die Gemeinde rechtlich belangt werden“. Christof Stock (CDU) bedauerte es, dass der Weg jetzt schon mehrfach Thema in Sitzungen war: „Die Abkürzung beträgt nur 40 Meter. Hätten wir nie darüber geredet, wäre aber wahrscheinlich auch keine Aufforderung zum Rückbau gekommen. Jetzt kann ich mir schwer vorstellen, dass es sich erledigt hat, nur weil wir der Aufforderung dazu nicht nachkommen“.
