Tino Mickstein, Vorsitzender des Marketing-Netzwerks Region Fulda, freute sich gleich anfangs über das große Interesse und betonte: „Ein Netzwerk lebt davon, dass man es benutzt“. Genau das sei das Ziel des Tages – sich zu informieren, vernetzen, zu diskutieren. Großes Thema ist das Marketing in der heutigen Zeit, das viele Herausforderungen mit sich bringe: „Es entwickelt sich wie ein Sport mit immer neuen Regeln. Die Zielgruppen werden immer kritischer“. Ohne Herausforderungen „würden wir aber nicht hier sitzen“, so Mickstein, der einen „inspirierenden Tag“ wünschte und von einem „großen Erfolg“ angesichts der 130 angemeldete Teilnehmer sprach.
Es werden Trends aufgegriffen, Problematiken diskutiert und praktische Tipps für das Handwerk Marketing geboten: Als erster Speaker trat Ultraläufer Sascha Gramm auf die Bühne, er berichtete von einem lebensbedrohlichen Abenteuer in Norwegen, und davon, wie er zwei Jahre später zurückkehrte. Er ermutigte die Unternehmer, sich Ziele zu stecken und diese zu erreichen. Mit Authentizität, Glauben daran, Mut, wieder aufzustehen, und planvollem Vorgehen. Damit schlug er den Bogen zum Marketing, in das Moderatorin Sabine Räth einführte. Sie habe die KI bemüht, eine Begrüßung zu schreiben – heraus kam zunächst künstlicher Kauderwelsch, mit dem Hinweis auf mehr Menschlichkeit und Humor aber änderte ChatGPT es so ab, als hätte es von der Moderatorin selbst stammen können. „Es geht – aber es braucht unsere Ideen, unsere Echtheit“.
Das griff auch die erste Keynote-Rednerin auf: Prof. Dr. Carolin Durst ist Digital Marketing-Professorin an der Hochschule Ansbach in Mittelfranken. Sie berichtete aus theoretisch-wissenschaftlicher Sicht darüber, wie Kreativität und KI in Einklang zu bringen sind und welche Tools nützlich sein können. Auf einmal sprach sie in einem Video italienisch, bewegte sogar ihre Lippen passend dazu. Auch Tools, die ein Gerüst für Marketing-Videos erstellen können, sprach sie an, betonte dabei aber: „KI-Tools sind wie eine Blumenwiese: Überall blüht etwas auf“. Daher sollten sich die Zuhörer bewusst sein, dass diese zwar ein „Game Changer“ sein können, aber jeder darauf zugreifen könne. Den Unterschied mache, dass Unternehmen ihre Use Cases ermitteln. Und letztlich benötige Marketing beide Gehirnhälften – die analytische und auch die kreative. Oder wie es Durst formulierte: Für den „geilen Scheiß“ brauche es immer noch Genies, und nicht nur KI.
Christian Rapp, Leiter Kommunikation bei der TUI Group, legte aus PR-Sicht verschiedene Thesen dar – anhand seiner Erfahrungen beim Tourismusunternehmen: Die Pressemitteilung sei „fast tot“, wo Moderatorin Räth zwar für die Region Osthessen nicht zustimmen konnte. Doch in der großen Reisewelt benutze TUI sie unter anderem nur noch, um kleinere Themen zu beleuchten oder für die eigenen Positionierungen „vorzubauen“. Auch betonte Rapp, dass nicht jeder Aufreger zur Krise werde, und brachte das Beispiel, als sich Sarah Conner dafür eingesetzt hatte, zum Schutz von Orcas gewisse Angebote aus dem Programm zu nehmen. Vertrauen und Authentizität sprach Rapp ebenso an wie den Fakt, dass Unternehmen mit Haltung gehört werden – TUI selbst habe in Ebel einen CEO, der sich auch politisch klar positioniert. Und nicht zuletzt könne KI das Thema PR relevanter machen. Die KI selbst gab Rapp übrigens den Hinweis, dass Marketing wie ein „Tinder-Profil“ sei, PR hingegen „das, was dein Date über dich erzählt, wenn du weg bist“.
Tipps für das vielfältige Handwerk Marketing
Im zweiten Teil des Tages ging es mit „Breakout-Sessions“ weiter: Hiesige Experten wie Shaggy Schwarz und Kevin Blume (Podcast) oder Johannes Ruppel (Social Media) griffen aktuelle Themen auf. Ruppels Ratschläge, Videos effizient mit dem Handy zu produzieren, ohne großes Equipment, und gewisse Zielgruppen zu erreichen, waren dabei besonders praxisnah. Sabine Hauß und Sebastian Brähler gingen auf den „Lead-Generation-Funnel“ ein – ein Prozess, der das Interesse potenzieller Kunden wecken soll. Simon Büttner gab Tipps, wie der eigene Content für KI-Suchergebnisse optimiert werden kann, und Jannik Schaub stellte „thebrief.ai“ vor, und wie damit Reichweite generiert wird. Alle Tipps waren „für kleines Budget“ ausgelegt, hieß es im Programm. Und Tino Mickstein lobte: „Handwerk im besten Sinne“.
Der Tag endete mit weiteren hochkarätigen Vorträgen in der Rubrik „zwischen Risiko und Reichweite“. Marketing-Experte Oliver M. Oettgen sprach über „Erfolg ohne Kompromisse – Marketing und Motivation aus Sicht des Handwerks“. Er vermittelte, wie Marken Vertrauen aufbauen können und authentisch bleiben. Und Christoph Lergenmueller, Senior Director Marketing Central Europe bei SharkNinja Germany, beleuchtete die Marketing-Strategie des Unternehmens, die stark auf Social Media ausgelegt ist und als eine der spannendsten in Europa gilt. Er fragte: „Nur ein Hype, oder long-term?“. Anschließend an die Vorträge konnten die Gäste jeweils interaktiv Fragen stellen und sich natürlich in den Pausen miteinander in entspannter Atmosphäre vernetzen. Es war ein Tag im Zeichen von mutigem, strategischem und wirkungsvollem Marketing – auch in schwierigen Zeiten.
