Das Publikum wurde zu einem abwechslungsreichen Abend begrüßt: Nach einer ausführlichen Vorstellung Schmitts durch Kircher folgte ein Gespräch über Entstehung, Figuren und Hintergründe des Romans – anschließend las der Autor eine ausgewählte Passage und nahm sich Zeit für Signierwünsche. Der 59-Jährige stammt aus Heilbronn, lebt in Frankfurt und zeitweise am Comer See. Schmitt ist als Kolumnist, Satiriker, Schriftsteller und ehemaliger Punkmusiker bekannt und schreibt seit 25 Jahren für renommierte Medien wie den Spiegel. Für sein neues Buch, das im Sommer erschien, hat er über Jahre hinweg vor Ort recherchiert. Der intensive Schreibprozess erfolgte im vergangenen Herbst und Winter – pünktlich zum vereinbarten Abgabetermin mit dem Verlag.
„Komasee“ vereint Urlaubsflair, Gesellschaftssatire und italienisch-deutsche Familiengeschichte. Im Mittelpunkt steht Elena Barone, eine Paparazza mit Wurzeln in Como und Deutschland. Die Protagonistin steckt in einer Lebens- und Berufskrise und hofft, mit einem letzten großen Foto – am liebsten von George Clooney, einem prominenten Bewohner des Sees – wieder an alte Erfolge anknüpfen zu können. Erzählt wird dabei nicht nur ihre persönliche Geschichte – inklusive Kindheit in Como und Umzug in den Schwarzwald –, sondern auch die Entwicklung eines Berufs, der sich durch soziale Medien drastisch verändert hat. Früher noch gefeierte Fotografin großer Persönlichkeiten wie Lady Diana, Helmut Kohl oder Justin Bieber, steht Elena nun vor einem möglichen Neuanfang.
Auch das Gelesene spiegelte diesen Spagat wider: Eine Szene mitten in der Nacht auf einem Boot, Elena allein auf dem Comer See – die Stimmung melancholisch, die Erwartungen groß, das Foto bleibt aus. Dabei gelingt Schmitt eine vielschichtige Beschreibung des nächtlichen Sees, angereichert mit ironischen Spitzen und gesellschaftskritischer Beobachtung. Das Buch thematisiert neben touristischen Klischees auch regionale Geschichte und aktuelle Entwicklungen – darunter die Präsenz der Mafia, am See, Besitzverhältnisse, wirtschaftliche Veränderungen durch Tourismus und die Auswirkungen des Klimawandels. Authentische Schauplätze, reale Ereignisse wie das Gnocchi-Fest geben dem Buch zusätzliche Tiefe.
Schmitt zeichnet mit einer Mischung aus Humor, Gesellschaftskritik und Lokalkolorit ein dichtes Bild des Lebens rund um den Comer See. Auch skurrile Nebenfiguren – darunter Nonna Renata, ein deutscher Parteipräsident oder wohlhabende Multimillionäre – tragen dazu bei, dass aus scheinbar nebeneinanderstehenden Handlungssträngen ein stimmiges Gesamtbild entsteht. Der besondere Reiz des Romans, laut Schmitt selbst, liegt im Kontrast: mediterrane Leichtigkeit trifft auf voralpine Dramatik, wirtschaftlicher Reichtum auf soziale Brüche – eingefangen in einem Buch, das unterhält, hinterfragt und zum Nachdenken anregt.
