Die Spedition Zufall betreibt deutschlandweit elf Standorte, darunter eine bedeutende Niederlassung in Fulda. Michael Hamperl, der regionale Niederlassungsleiter, verdeutlicht die Relevanz der aktuellen Preisentwicklung: „Kraftstoff nimmt einen Gesamtkostenanteil von 15 Prozent ein“, so Hamperl. Das Unternehmen arbeitet mit einem sogenannten „Dieselfloater“. Dieser Mechanismus passt die Transportpreise dynamisch an die schwankenden Kraftstoffkosten an – ein Vorgehen, das die Kundschaft laut Hamperl akzeptiere. Dennoch bleibe eine Erhöhung der Frachtkosten teilweise unausweichlich: „Das ist nicht zu verhindern“, stellt Hamperl klar. Dies führe dazu, dass Kunden verstärkt abwägen müssten, ob sich bestimmte Transporte wirtschaftlich noch lohnen.
Den Ausbau der Elektromobilität beabsichtigt Zufall ungeachtet der aktuellen Krise stetig voranzutreiben. „Das Vorhaben werden wir weiter forcieren“, betont Hamperl. Dabei gehe es nicht allein um die aktuellen Spritpreise, sondern auch um schadstoffarme und umweltfreundliche Energie. Es gebe daher also zwei entscheidende Gründe, weshalb das Unternehmen die Umstrukturierung in diesem Bereich intensiviert.
Wunsch nach gleichen Wettbewerbsbedingungen
Die Spedition Dröder aus Künzell steht vor derselben Problematik. „Das ist für jeden Logistiker eine Belastung“, erklärt Inhaber Hans Jörg Dröder. Als einen der Hauptpunkte nennt er den ungleichen Wettbewerb mit osteuropäischen Unternehmen. Diese würden mit vollgetankten Fahrzeugen über die Grenze kommen und Aufträge in Deutschland zu Konditionen ausführen, die für heimische Betriebe kaum haltbar sind. Generell sieht Dröder die Branche durch Faktoren wie die Ausweitung der Mautpflicht oder die drastische Steigerung der Mindestlöhne stark gebeutelt.
Sein Unternehmen sei zwar solide aufgestellt, kleinere Betriebe könne die aktuelle Situation jedoch schnell aus der Bahn werfen. Zudem weist er auf ein Liquiditätsproblem hin: Beim „Dieselfloater“ müsse das Unternehmen zunächst wie in Vorkasse gehen. Auch der Wechsel auf Elektromobilität sei eine Hürde: „Das ist eine sehr große Investition.“ Durch Ladestationen und E-Lkw kämen schnell Millionenbeträge zusammen. Während bei Sprintern der Umstieg bereits teilweise erfolgt, hat Dröder zwei klare Wünsche an die Politik: Gleiche Wettbewerbsbedingungen auf europäischer Ebene sowie eine Senkung der Kraftstoffsteuer.
Brähler: „Es wird Existenzen kosten“
Auch bei dem in Petersberg ansässigen Unternehmen Brähler Transporte kommt ein entsprechender Mechanismus zur Preisanpassung zum Einsatz. Geschäftsführer Gerald Brähler betont jedoch, dass dies kein Allheilmittel sei, da die Anpassung in bestimmten Bereichen schlicht nicht anwendbar ist. Auch ihm bereitet der Wettbewerb aus Osteuropa Sorgen, da dieser Preiskampf von regionalen Betrieben nicht mitgegangen werden könne. Mit Blick auf die gesamte Branche äußert Brähler eine düstere Prognose: „Es wird Existenzen kosten.“ Er übt scharfe Kritik an der Politik und empfindet es als unverständlich, dass die Preise in Deutschland massiver explodieren als im Ausland. Aus seiner Sicht dürften Konzerne die aktuelle Lage nicht ausnutzen: „Da muss die Politik und das Kartellamt genauer draufschauen“, fordert Brähler.
Langfristig richtet auch Brähler den Blick verstärkt auf die Elektromobilität. Zwar hätten größere Unternehmen in diesem Bereich anfangs „richtig Lehrgeld zahlen müssen“, doch mittlerweile habe sich die Technik verbessert. Im eigenen Betrieb wird bereits an einem teilweisen Umstieg auf Elektrofahrzeuge gearbeitet, während die Entwicklung rund um Wasserstoff ebenfalls fest im Auge behalten wird.
