Der engagierte Kommunalpolitiker Sebastian Leitsch berichtete dem IT-Experten Andreas Bohl von seiner noch ausstehenden Auswertung des Kommunalwahlergebnisses vom 15. März. Leitsch schilderte die mühsame Detailarbeit, die noch vor ihm liege. Für jeden einzelnen Wahl- und Ortsbezirk seiner Heimatgemeinde Petersberg müsse er die Ergebnisse separat aufrufen, in Tabellen übertragen und anschließend aufwändig miteinander vergleichen. Ziel seiner Auswertung sei es herauszufinden, wo er besonders gut abgeschnitten habe – etwa über dem Parteidurchschnitt – und wo noch Potenzial bestehe. „Das ist unglaublich zeitintensiv“, klagte er, während er die Vielzahl an Daten gedanklich durchging. Denn die Vielzahl an Stimmen und die Möglichkeit des Kumulierens und Panaschierens führen zu besonders detaillierten und komplexen Ergebnissen auf Ebene der einzelnen Wahlbezirke.
Für Andreas Bohl war schnell klar: Dieses Problem betrifft nicht nur eine einzelne Person. Tausende Kandidatinnen und Kandidaten in Hessen stehen nach jeder Kommunalwahl vor genau derselben Herausforderung. Die Auswertung der Ergebnisse erfolgt bislang oft händisch oder mit einfachen Tabellenkalkulationen, obwohl die Daten flächendeckend digital vorliegen. Aus dieser Erkenntnis heraus entstand die Idee, eine digitale Lösung zu schaffen, die die Auswertung automatisiert übernimmt.
Noch am selben Tag nahm das Konzept Form an. Ein webbasiertes Tool sollte entstehen, das Wahlergebnisse übersichtlich aufbereitet, Vergleiche ermöglicht und individuelle Analysen auf Knopfdruck liefert. Das Ergebnis dieser spontanen Zusammenarbeit trägt nun den Namen www.stimmenprofil.de. Hier können alle Kandidatinnen und Kandidaten der Kommunalwahl in Hessen ihre Ergebnisse auswerten und erhalten neue Einblicke in die lokalen Wahlstrukturen. Die Webanwendung des Datenexperten Bohl greift auf die offiziellen Daten der Kommunalwahl im Votemanager der ekom21 zurück. Hier tragen die Landkreise, Städte und Gemeinden in Hessen ihre Wahlergebnisse ein.
Was als beiläufiges Gespräch unter blauem Himmel begann, könnte sich schon bald als eine wertvolle Hilfe für die kommunalpolitische Arbeit erweisen – und vielen Ehrenamtlichen Zeit sparen, die sie künftig wieder stärker in ihre eigentliche Aufgabe investieren können: die Gestaltung ihrer Städte und Gemeinden.
