„Wir haben die Bahn vor der Haustür, die Autobahn in unmittelbarer Nähe – und jetzt soll auch noch ein Solarpark dazukommen“, äußert sich die anlässlich des Solarparks gegründete Bürgerinitiative gegenüber Osthessen-Zeitung. Die Initiative hat sich darüber hinaus bereits in einem Schreiben an den Landkreis Fulda und an die Gemeinde Petersberg gewandt und darin ihre Bedenken bezüglich des Solarparks kundgetan: Abstandsflächen von nur etwa 30 Metern zum ersten Wohnhaus seien inakzeptabel, es würden Wertverluste der Immobilien drohen. Dazu kämen die Wärmeentwicklung, sowie die Lärmbelästigung, beispielsweise bei aufkommendem Regen, der auf die Solarpaneele prasselt. Darüber hinaus kritisiert die Bürgerinitiative die mangelnde Transparenz aller Beteiligten: Die Bevölkerung sei bei der Planung des Projekts bewusst im Dunkeln gelassen worden, durch das Einwurfblatt am 15. Dezember seien die Bürgerinnen und Bürger zu einer Infoveranstaltung mit dem Projektentwickler FW Holding GmbH und der Gemeinde nur zwei Tage später eingeladen worden – und dort vor vollendete Tatsachen gestellt worden sein.
Die Gemeinde räumt bezüglich dieser Vorwürfe auf Nachfrage ein, dass es keine rechtliche Pflicht zur frühzeitigen Information der Öffentlichkeit gibt. Dennoch habe der Betreiber das Projekt im Dezember in einer öffentlichen Sitzung des Ortsbeirates vorgestellt. Zudem sei der Ortsvorsteher bereits im September über mögliche Pläne unterrichtet worden. Ein weiterer Ortstermin der Bürgerinitiative mit dem Geschäftsführer der FW Holding GmbH, Florian Wehner, im Januar habe aus Sicht Bürgerinnen und Bürger wenig gebracht: „Auf die Interessen der Anwohner wurde kaum eingegangen“, heißt es von Seiten der Bürgerinitiative, die mittlerweile rund 50 Mitglieder umfasst.
Aus Unmut über den bisherigen Verlauf fordern die Bürger nun mehr Unterstützung von der Politik. An die Petersberger Bürgermeisterin Claudia Brandes richten sie den Appell: „Treten Sie für unsere Interessen ein!“ Ein Gesprächstermin mit der Rathausspitze steht nach Angaben der Initiative noch aus, der nächste Schritt soll ein Austausch mit dem Landrat sein. Auch juristische Beratung wurde bereits eingeholt. Zudem verweisen die Anwohner darauf, dass es in der Region zahlreiche alternative Flächen für Solarparks gebe.
Der Landkreis Fulda verweist auf Nachfrage von Osthessen-Zeitung unterdessen auf die veränderten rechtlichen Rahmenbedingungen. Um den Ausbau erneuerbarer Energien zu beschleunigen, habe der Gesetzgeber Solarparks auf bestimmten Flächen privilegiert. Dazu zählen insbesondere Areale entlang von Autobahnen und Bahntrassen. Die Fläche in Steinau falle genau in diese Kategorie, weshalb für das Vorhaben keine klassische Baugenehmigung erforderlich sei. Stattdessen laufe derzeit ein naturschutzrechtliches Genehmigungsverfahren bei der Unteren Naturschutzbehörde. In diesem Rahmen würden auch die Einwände der Bürger geprüft. Unter anderem werde ein Gutachten zur möglichen Blendwirkung auf Wohnbebauung und Verkehr erstellt.
Die Gemeinde Petersberg selbst sieht sich derweil nur begrenzt in der Rolle des Gestalters. Da es sich um eine privilegierte Fläche handele, sei weder ein Bebauungsplan noch ein förmliches Genehmigungsverfahren notwendig. Der Betreiber müsse lediglich eine naturschutzrechtliche Befreiung beantragen, über die der Landkreis entscheide. Erst im Zuge dieses Verfahrens werde der Gemeindevorstand offiziell beteiligt. Wie weit das Verfahren fortgeschritten ist, könne nur der Landkreis sagen.
Grundsätzlich bekennt sich die Gemeinde zum Ausbau erneuerbarer Energien. Ohne Photovoltaik und Windkraft, so heißt es aus dem Rathaus, seien die Ziele der Klimaneutralität nicht erreichbar. Gleichzeitig müsse dieser Ausbau jedoch im Einklang mit den bestehenden Verhältnissen erfolgen. Zu Bauzeiten oder einem möglichen Starttermin gebe es bislang keine Angaben, da das Verfahren noch nicht abgeschlossen sei. Gleichzeitig signalisiert die Gemeinde jederzeit Gesprächsbereitschaft mit den Bürgerinnen und Bürgern.
Ob dieser Dialog zu einer Annäherung führen kann, ist derzeit offen. Klar ist jedoch: Der geplante Solarpark in Steinau ist längst mehr als ein Energieprojekt – er ist zum Symbol für den Konflikt zwischen Klimazielen und dem Bedürfnis nach Lebensqualität vor der eigenen Haustür geworden.
