Gedreht wurde an insgesamt 24 Tagen, von Mitte September bis Mitte Oktober 2024, in Stuttgart und Baden-Baden. Eine vergleichsweise lange Drehzeit, wie Jehn betont. „24 Drehtage sind eigentlich schon sehr viel. Es gibt Tatorte mit deutlich weniger – und das ist wohl auch die Zukunft. Das ist dann schon nicht ohne, das in so kurzer Zeit zu schaffen.“ Umso wichtiger sei ein gutes Team – und davon habe auch „Ex-It“ profitiert. Schon die erste Szene stellte die Produktion allerdings vor eine besondere Herausforderung: Ein Auto muss aus dem Neckar geborgen werden – mitten in der Stadt. „Das war am Anfang eine große Herausforderung“, erinnert sich Jehn. „Der Neckar hat innerstädtisch gar kein passendes Ufer. Außerhalb Stuttgarts hätte aber nicht zur Geschichte gepasst, da waren wir erst einmal ziemlich ratlos.“ Die Lösung kam unerwartet – und genau darin liegt für Jehn ein besonderer Reiz ihres Berufs. „Ein Mann vom Gewässeramt hat uns dann eine Plattform plus Hebekran zur Verfügung gestellt. Ein unheimlich netter Herr – das war wirklich toll. Das ist das Schöne am Filmemachen: Man trifft interessante Menschen, die spannende Dinge tun und auch Lust haben, etwas beizutragen. Ohne ihn wären wir nie auf diese Idee gekommen.“
Inhaltlich erzählt „Ex-It“ weit mehr als einen klassischen Kriminalfall. Im Zentrum steht das Verschwinden des kleinen Hugo und der Tod seiner Schwester Penelope. Die Ermittlungen führen Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) in eine wohlhabende, aber zutiefst beschädigte Familie. Mutter Pony Hübner, einst republikweit bekanntes Glamour-Girl, und ihr Mann Stefan stecken in einer brüchigen, angespannten Ehe – einer Beziehung voller Abgründe.
Genau dieser emotionale Kern hat Jehn besonders gereizt. „Ein guter Krimi hat für mich immer ein Drama in sich“, sagt sie. „Ein zwischenmenschliches Drama, das den Spannungsbogen trägt. Das war hier besonders stark und berührend.“ Die Geschichte einer komplizierten Ehe habe sie tief angesprochen. „Ich fand das derart toll geschrieben – auch wegen der Abgründe, die sich da auftun.“
Das Drehbuch zu „Ex-It“ stammt von Wolfgang Stauch, mit dem Jehn bereits mehrfach zusammengearbeitet hat. „Wir kennen uns, ich habe schon zwei andere Drehbücher von ihm verfilmt. Auch beim ersten Tatort haben wir schon zusammengearbeitet. Das passt einfach“, sagt sie. Diese eingespielte Zusammenarbeit sei ein großer Vorteil, gerade bei Stoffen, die psychologisch so fein austariert sind.
Auch das Stuttgarter Ermittlerteam hebt Jehn hervor. „Das ist ein unheimlich tolles Kommissarteam – das Herz am rechten Fleck, aber gleichzeitig nüchtern und sachlich. Das Private steht nicht so im Vordergrund.“ Für sie sei es eine Freude, mit Richy Müller und Felix Klare zu drehen: „Das sind großartige Schauspieler, und auch die Rollen sind super ausgearbeitet.“
Den fertigen Film kennt Jehn inzwischen in- und auswendig. „Ich sehe den ja ständig – bis ins letzte Detail. Deshalb habe ich mir jetzt erst mal eine kleine Pause gegönnt.“ Ein besonderer Moment war die Premiere beim Festival des deutschen Films im September 2025 in Ludwigshafen. „Das war toll. Den Film vor Publikum zu sehen und die Reaktionen direkt mitzuerleben – das war super.“ Am Fernsehabend selbst wird es dann ruhiger: „Die TV-Premiere schaue ich am Sonntag mit ein paar Leuten auf dem Sofa.“
Trotz ihrer Erfolge bleibt Jehn ihrer Heimat verbunden. Regelmäßig besucht sie ihre Mutter in Petersberg. „Mein Mann ist auch Regisseur, wir haben zwei Kinder, ich schreibe zusätzlich noch als Autorin – dadurch funktioniert das mit den Besuchen in der Heimat ganz gut.“ Ihr Arbeitsrhythmus lasse dafür Raum: „Ich drehe etwa alle zwölf bis 18 Monate, da bleibt genug Zeit.“
Nach dem düsteren Tatort steht für Friederike Jehn überdies bereits das nächste Projekt an – diesmal etwas vollkommen anderes. Im Mai und Juni dreht die 49-Jährige eine romantische Komödie für den NDR in Hamburg. Das Drehbuch stammt von Sascha Arango, eigentlich bekannt für Krimis. „Das ist eine schöne Abwechslung“, sagt sie – und zeigt damit einmal mehr ihre Vielseitigkeit.
Mit „Tatort – Ex-It“ beweist Friederike Jehn erneut ihr Gespür für starke Figuren, emotionale Tiefe und präzise Inszenierung. Ein Film, der nicht nur einen Kriminalfall erzählt, sondern den Blick auf das wirft, was hinter Fassaden verborgen liegt – und damit ganz im Sinne ihrer eigenen Überzeugung: dass guter Krimi immer auch mit einer Portion Drama verbunden ist.
