Lokales 04.03.2026

Zwei Jahre im Amt – Brandes: „Wahlabend bleibt ein Lebenshighlight“

Petersberg – Von Silas Messing – Zwei Jahre im Amt, ein Drittel der Wahlperiode vorbei: Für Bürgermeisterin Claudia Brandes ist die Zeit seit ihrem Amtsantritt am 1. März 2024 nach eigenen Worten „geflogen wie im Wind“. Im Gespräch mit der Osthessen-Zeitung blickt die parteilose Rathauschefin der Gemeinde Petersberg auf einen außergewöhnlichen Start, einen knappen Wahlsieg – und viele Herausforderungen zurück.

Ein Drittel ist bereits vorbei: Claudia Brandes blickt auf zwei ereignisreiche Jahre zurück. Foto: Silas Messing.

Im Gespräch mit Osthessen-Zeitung berichtet sie über Herausforderungen, einen unvergesslichen Wahlabend und die kommenden vier Jahre. Fotos: Gemeinde Petersberg.

„Als Bürgermeisterin hat man nie frei“, sagt Brandes nüchtern, fast selbstverständlich. Wochenenden, Feste, Sitzungen am Abend, spontane Gespräche und Termine bestimmen den Alltag. „Aber für mich ist es ein Traumjob“ erklärt sie.

Ihr erster Arbeitstag ist ihr noch lebhaft präsent. Eine geordnete Übergabe gab es nicht. „Es hieß: Das ist Ihr Büro – und dann ging es los.“ Kurz nach Amtsantritt war die Verwaltung noch mit den Folgen eines Cyberangriffs beschäftigt. IT-Systeme fielen aus, Abläufe mussten improvisiert werden. Brandes erinnert sich: „Ich habe Briefe von Hand geschrieben, jeden einzelnen. Das war irgendwie surreal. Aber ich dachte: Jetzt packst du es an, egal wie.“ Die gebürtige Wolfenbüttelerin, die mit ihrem Ehemann und drei Töchtern in Petersberg lebt, lernte früh: Improvisation ist Teil ihres neuen Jobs.

Beruflich war Brandes zuvor mehrere Jahre in der freien Wirtschaft tätig. Nach einem Studium der Anglistik und Katholischen Theologie (Bachelor) mit anschließendem Masterabschluss auf Lehramt absolvierte sie zusätzliche Weiterbildungen und Studienanteile in Wirtschaft, Management, Marketing und Personalwesen. Ihre Schwerpunkte lagen unter anderem im Projekt- und Prozessmanagement, in der Digitalisierung, im Bereich Mitarbeiterführung sowie im Fördermittelmanagement. „Diese Erfahrungen helfen mir heute enorm“, sagt sie.

Der Cyberangriff habe die ersten Monate stark geprägt. IT-Strukturen wurden neu aufgebaut, Sicherheitsmaßnahmen verstärkt, interne Prozesse modernisiert. „Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht“, sagt Brandes: „Aber wir sind heute deutlich besser aufgestellt als zu Beginn meiner Amtszeit.“

Ein Abend für die Erinnerung

Besonders emotional bleibt für sie jedoch der Wahlabend im November 2023. „Dieser Abend wird für mich persönlich eines meiner Lebenshighlights bleiben.“ Im ersten Wahlgang am 8. Oktober 2023 hatte sie 46,25 Prozent der Stimmen erreicht. In der Stichwahl am 5. November setzte sie sich mit 52,16 Prozent gegen den damaligen Amtsinhaber, Carsten Froß, durch – ein knapper Sieg gegen einen Kandidaten, der sechs Jahre lang das Amt innehatte.

„Es war unglaublich knapp. Wir wussten bis zuletzt nicht, in welche Richtung die Entscheidung fällt“, erzählt Brandes. „Ich habe einen sehr datenbasierten Wahlkampf geführt – jede Zahl, jeder Bezirk war analysiert. Wir wussten genau, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass es eng wird. Aber ich wusste auch: Es ist machbar.“ Hausbesuche und persönliche Gespräche waren für Brandes entscheidend. „Ich habe Türklinken geputzt“, erzählt sie lachend: „Neu ist immer schwieriger. Viele wählen, was sie kennen. Der Amtsinhaber hatte natürlich einen Bonus – aber man kann Vertrauen gewinnen, wenn man sichtbar ist.“

Unterstützt wurde ihre parteilose Kandidatur unter anderem von SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und Die Linke sowie weiteren lokalen Gruppierungen. Ihr Anspruch sei jedoch parteiübergreifend: „Ich möchte mit allen Fraktionen konstruktiv zusammenarbeiten.“ Sachpolitik, Transparenz und Bürgernähe nennt sie als Leitgedanken.

Strategie, Projekte und Bürgernähe

Die ersten Monate im Amt waren von Herausforderungen geprägt. Neben dem Cyberangriff stand die Modernisierung der Verwaltung auf der Agenda. IT-Sicherheitsmaßnahmen wurden implementiert, digitale Antragsverfahren aufgebaut und interne Prozesse optimiert. „Wir haben klare Abläufe geschaffen, digitale Formulare eingeführt und die Sicherheit der Daten deutlich erhöht. Das alles musste gleichzeitig mit dem normalen Tagesgeschäft laufen“, erklärt Brandes.

„Man merkt schnell, dass man Strukturen effizient gestalten kann, wenn man vorher schon Projekte und Teams geleitet hat“, ergänzt sie. Projekt- und Prozessmanagement aus der Wirtschaft helfe ihr, die Verwaltung zukunftsfähig aufzustellen.

Die finanzielle Lage der Gemeinde ist eine weitere Herausforderung. Steigende Sozialausgaben und hohe weitere Kosten belasten den Haushalt. „Wir leben aktuell über unsere Verhältnisse“, gibt Brandes zu. Grundsätzlich gibt es drei Hebel: Steuern erhöhen, Gebühren anpassen oder sparen. „Wir haben uns häufig fürs Sparen entschieden“ erläutert sie.

Gleichzeitig setzt die Verwaltung auf Fördermittelakquise und langfristige Projektplanung. So konnten Mittel für den Ausbau von Radwegen, energetische Sanierungen öffentlicher Gebäude und Investitionen in die Kita-Infrastruktur gesichert werden. „Wir wollen Projekte realisieren, die nachhaltigen Nutzen bringen, ohne die kommenden Haushalte zu überlasten“, sagt Brandes.

Kommunale Energieplanung, nachhaltige Infrastruktur und Klimaschutzmaßnahmen zählen zu den vorrangigen Themen. In Petersberg werden beispielsweise Photovoltaik-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden gefördert, Straßenbeleuchtung nach und nach auf LED umgestellt und neue Fahrradwege geplant. „Es geht darum, zukunftsfähige Strukturen zu schaffen und gleichzeitig das Klima zu schützen“, erklärt Brandes.

Familienfreundliche Strukturen bleiben ein zentraler Schwerpunkt ihrer Arbeit. Brandes betont die Bedeutung der Vereine und des Ehrenamts: „Sie sind tragende Säule unseres Gemeinwesens.“ Bürgernähe ist ihr dabei ebenso wichtig – sie besucht Veranstaltungen, sucht das Gespräch und bleibt nah an den Menschen, um Anliegen direkt mitzunehmen.

Dankbarkeit zum Amtsjubiläum

Zum zweijährigen Amtsjubiläum richtet Brandes einen besonderen Dank an die Mitarbeitenden der Gemeinde – in Verwaltung, Bauhof und Kindergärten – sowie an politische Unterstützer. „Die Zusammenarbeit macht mir sehr viel Spaß, jeder leistet gute Arbeit, und die Stimmung stimmt“, sagt sie. Kritik gehöre zum Amt dazu: „Man ist schnell für alles verantwortlich, auch wenn Entscheidungen von Gremien getroffen werden. Aber man muss dieses Amt leben.“

Blick nach vorn

Zwei Jahre im Amt – und noch immer spürt Brandes die Energie, die sie angetrieben hat. Müdigkeit? Fehlanzeige. Auf die Frage, ob sie erneut kandidieren würde, antwortet sie ohne Zögern: „Wäre morgen Wahl, würde ich antreten.“ Ein Satz, der wie ein Versprechen klingt – an sich selbst und an die Gemeinde Petersberg.

„Ich möchte weiter gestalten, weiter zuhören und weiter anpacken“, sagt Brandes. „Die Gemeinde Petersberg hat Potenzial, und ich will, dass wir es gemeinsam ausschöpfen.“ In diesen Worten steckt der Kern ihrer Amtsführung: präsent, pragmatisch, sachorientiert – und trotzdem persönlich.