Geboren wurde Theo Diegelmann am 23. November 1939 in Fulda. Seine sportliche Laufbahn begann beim TSV Künzell – auf einem Fußballplatz, der für ihn immer Heimat blieb. Eigentlich habe er lieber im Feld gespielt, erzählte Diegelmann später einmal selbst. Doch ein Lehrer stellte ihn ins Tor – und legte damit den Grundstein für eine außergewöhnliche Karriere.
Über Borussia Fulda führte sein Weg Anfang der 1960er Jahre in den höherklassigen Fußball. Mit der Borussia feierte er große Erfolge, wurde Hessenmeister und Süddeutscher Amateurmeister. Schnell machte sich der ehrgeizige Schlussmann einen Namen als einer der besten Torhüter seiner Zeit. 1964 wechselte er zum SSV Reutlingen in die damalige Regionalliga Süd, die zu dieser Zeit die zweithöchste deutsche Spielklasse war. Dort gehörte er sofort zu den Leistungsträgern und stand mit dem Verein dicht vor dem Aufstieg in die Bundesliga.
Sogar Bundestrainer Helmut Schön wurde auf den Torhüter aus Künzell aufmerksam und lud ihn 1965 zu einem Lehrgang des erweiterten Kaders für die Weltmeisterschaft 1966 ein. Namen wie Franz Beckenbauer oder Sepp Maier standen damals ebenfalls auf dem Trainingsplatz. Der Sprung in die Nationalmannschaft blieb Diegelmann zwar verwehrt, doch sein Ruf als herausragender Torwart war längst gefestigt.
Später zog es ihn ins Ruhrgebiet zum VfL Bochum. Dort entwickelte sich der Osthesse in den späten 1960er- und frühen 1970er-Jahren zur Kultfigur. Mit Bochum wurde er zweimal Meister der Regionalliga West und schaffte 1971 den Aufstieg in die Bundesliga. Für einen Einsatz im Oberhaus reichte es letztlich zwar nicht mehr, doch Diegelmann hatte sich längst einen Namen gemacht – als kompromissloser, leidenschaftlicher Torhüter, der sich in einer Zeit ohne modernes Torwarttraining und ohne große finanzielle Möglichkeiten durch Einsatzwillen und Ehrgeiz nach oben gearbeitet hatte.
„Er war immer eine ehrliche Haut“, sagt seine Tochter Manuela über ihren Vater: „Er hat immer frei heraus gesagt, was er gedacht hat und ist immer seinen eigenen Weg gegangen.“ Gerade als Trainer sei ihr Vater bekannt dafür gewesen, klare Worte zu finden. „Er war hart, aber viele Spieler haben später gesagt, wie viel sie von ihm gelernt haben.“
Denn nach seiner Karriere als Spieler hörte Theo Diegelmann nie auf, für den Fußball zu leben. Als Trainer arbeitete er unter anderem in Künzell, Flieden, Neuhof, Schrecksbach oder Bad Salzschlirf.. „Papa war eigentlich überall unterwegs“, erzählt seine Tochter. „Von einem Sportplatz zum anderen. Künzell, Petersberg, Eiterfeld, Engelhelms, Rothemann – er war bekannt wie ein bunter Hund.“
Wie groß seine Leidenschaft für den Fußball war, zeigte sich auch in vielen kleinen Geschichten, die bis heute in Erinnerung geblieben sind. In seiner Zeit als Spielertrainer in Künzell erlitt Diegelmann während eines Spiels einmal eine tiefe Platzwunde am Kopf und musste behandelt werden. „Er hat damals gesagt: ‚Zieht mir bloß die Fußballschuhe nicht aus, sonst denken die Leute noch, ich wäre ein Handballer‘“, erinnert sich seine Tochter mit einem Schmunzeln.
Nicht immer machte ihn seine direkte Art überall beliebt. Während seiner Zeit als Trainer in Flieden erhielt die Familie sogar Drohanrufe. „Wenn er abends später vom Training heimkam, saßen wir zuhause manchmal wie auf heißen Kohlen“, erzählt Manuela. Trotzdem habe ihr Vater sich nie verbiegen lassen. Für seine Tochter blieb er stets das große Vorbild. „Wir haben uns oft gegenseitig aufgezogen“, erzählt sie. „Ich habe ihm immer gesagt: ‚Du hast nur zweite Bundesliga gespielt und ich 45 Minuten Erste.‘“ Hinter solchen scherzhaften Bemerkungen habe aber immer großer gegenseitiger Respekt gestanden.
Bis zuletzt blieb Diegelmann dem Fußball eng verbunden. Besonders seinem Herzensverein Borussia Fulda hielt er die Treue und verfolgte auch die Spiele des TSV Künzell weiterhin aufmerksam. Noch vor kurzer Zeit war er auf einem Sportplatz in der Region unterwegs, ehe gesundheitliche Probleme seinen Zustand verschlechterten. Nach einem Bruch eines Lendenwirbels folgten weitere gesundheitliche Komplikationen. Vier Tage kämpfte Diegelmann im Krankenhaus, ehe er friedlich einschlief.
Mit Theo Diegelmann verliert Osthessen weit mehr als einen ehemaligen Spitzenfußballer. Er war eine Persönlichkeit alter Schule – gradlinig, leidenschaftlich und dem Fußball bedingungslos verbunden. Einer, der seine Heimat nie vergaß und dessen Name auf den Sportplätzen der Region noch lange weiterleben wird.
Die Beisetzung findet am 8. Juni in Petersberg-Steinau statt.
