Lokales 28.09.2026

Grüne kritisieren Entscheidung zur Freibad-Heizung

Petersberg (pm/gü) – „Mit ihrer Entscheidung vom 23. September, das zu renovierende Freibad Waidesgrund zukünftig wieder mit Gas statt mit einer Wärmepumpe zu beheizen, hat die Mehrheit der Gemeindevertretung Petersberg die eigenen Klimaschutzziele und eine wirtschaftlich sinnvolle Energieversorgung bewusst missachtet“, so kritisiert die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen in Petersberg Beschluss des Gremiums als klimapolitischen Rückschritt und warnt vor langfristig steigenden Betriebskosten für die Gemeinde.

„Diese Entscheidung ist ein Schlag ins Gesicht aller Bürgerinnen und Bürger, die sich für wirksamen Klimaschutz in Petersberg einsetzen“, erklärt Kira Klüber, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Petersberger Grünen: „Während andere Kommunen in zukunftsfähige Technologien investieren und ihre Verantwortung für kommende Generationen ernst nehmen, setzt Petersberg bewusst auf die Technik von gestern – und das ausgerechnet in einer Gemeinde, die sich selbst als Klimakommune versteht.“ Die Grünen-Fraktion sieht in der Entscheidung ein doppeltes Versäumnis: Zum einen würden die im erstellten Klimaschutzkonzept festgeschriebenen Ziele der Gemeinde konterkariert. Zum anderen ignoriere die Mehrheit der Gemeindevertretung die absehbaren Preissteigerungen bei fossilen Energieträgern. „Die Gemeinde macht sich hier sehenden Auges abhängig von Gaspreisen und CO2-Zertifikaten, deren Kostenentwicklung wir nicht kontrollieren können“, so Katrin Wczasek, Gemeindevertreterin der Grünen und Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt, Klimaschutz und Landwirtschaft (UKL): „Mit der Freigabe des CO2-Zertifikathandels ab 2028 und der absehbaren Beimischung von teurem Bio-Erdgas werden fossile Energieträger rapide teurer werden. Was heute als ‚wirtschaftlich‘ präsentiert wird, entpuppt sich morgen als teure Betriebskostenfalle für alle Steuerzahlerinnen und Steuerzahler.“

Nach Berechnungen der CWE-Fraktion könnte eine Wärmepumpe in Petersberg jährlich 64 bis 75 Tonnen CO2 einsparen – ein erheblicher Beitrag zum lokalen Klimaschutz, der nun bewusst verspielt werde. Die Grünen-Fraktion kritisiert zudem die zugrundeliegende Wirtschaftlichkeitsbetrachtung des Ingenieurbüros Möller + Meyer als unzureichend. Während die jährlichen Energiekosten einer Wärmepumpenlösung mit etwa 16.440 Euro am niedrigsten wären, erfordert die Technologie eine Anfangsinvestition von 470.000 Euro, wovon allein 150.000 Euro auf eine neue Transformatorenanlage entfallen. Dagegen wurde die Variante aus Gaskessel, Solarthermie und Photovoltaik priorisiert, die sich bereits nach knapp sieben Jahren amortisieren soll. „Eine solche Investitionsentscheidung darf nicht auf einer überschlägigen Voruntersuchung basieren“, fordert Kira Klüber.

Ergänzend hatten die Grünen den Bau einer aufgeständerten Photovoltaikanlage in Form einer großflächigen Parkplatzüberdachung am Freibad vorgeschlagen. Der erzeugte Strom sollte mit Ladepunkten für Elektrofahrzeuge verbunden und perspektivisch zur Eigenstromnutzung im Freibad eingesetzt werden. Als Finanzierungsmodell schlugen die Grünen die Gründung einer regionalen Bürgerenergiegenossenschaft vor, um die Bevölkerung direkt an der Energiewende teilhaben zu lassen. Dieser Antrag wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Prof. Dr. Thomas Stegmann (FDP) bezeichnete den Grünen-Antrag als Ausdruck „ideologischer Arroganz“. „Diese Haltung ist für uns unverständlich“, so Kira Klüber: „Eine PV-Überdachung des Parkplatzes wäre eine sinnvolle Doppelnutzung bereits versiegelter Flächen und hätte einen echten Mehrwert für die Badegäste durch eine Verschattung ihrer Fahrzeuge geboten. Statt neue Flächen zu verbrauchen, nutzen wir bestehende Infrastruktur für die Energiewende – genau das fordern wir Grünen seit Jahren. Der Parkplatz wird zudem seit geraumer Zeit nicht mehr als Festplatz genutzt.“

„Wir werden weiterhin dafür kämpfen, dass Petersberg seinem Selbstverständnis als Klimagemeinde gerecht wird – auch wenn das bedeutet, unbequeme Wahrheiten auszusprechen und gegen den Widerstand einer kurzsichtigen Mehrheit anzugehen“, so Katrin Wczasek abschließend.