Die Reinigung von Abwasser benötigt bekanntlich viel Energie, daher zählen kommunale Kläranlagen in vielen Regionen zu den großen Stromabnehmern. Nicht jedoch in Fulda. Die Kläranlage Gläserzell erzeugt bereits jetzt durch die Verstromung von Klärgas in der Jahresbilanz mehr Strom als sie benötigt. Die beiden Außenkläranlagen in Marbach und Fulda-West hatten bislang keine eigene Stromerzeugung. Durch die Errichtung einer Freiflächen-PV-Anlage auf dem Betriebsgelände in der Heinkelstraße hat sich dies vor einem Jahr geändert.
Die rund 200.000 Euro teure Anlage wurde durch die Klimarichtlinie des Landes Hessen zu 90 Prozent gefördert. Aufgrund der ausreichend zur Verfügung stehenden Fläche wurde sie über den reinen Bedarf des Standorts Fulda-West hinaus dimensioniert und durch den sogenannten „Bilanzkreis“ mit den Klärwerken in Gläserzell und Marbach virtuell verbunden. Der Strom wird über das öffentliche Netz flexibel an den drei Klärwerks-Standorten bereitgestellt und direkt verbraucht, Überschüsse und fehlende Mengen werden zu aktuellen Börsenstrompreisen verrechnet. Auf eine klassische EEG-Einspeisevergütung wird verzichtet. Dieses Bilanzkreis-Modell ist ein zukunftsweisendes Pilotprojekt, welches gemeinsam mit der RhönEnergie entwickelt wurde.
„Durch die Einsparung von bis zu 8000 Euro im Monat amortisiert sich die Anlage in sehr kurzer Zeit“, betont Geschäftsführer Jürgen Fehl: „Jede Entlastung ist enorm wichtig, um den derzeitigen Kostendruck zu dämpfen.“ Vor dem Hintergrund permanent ansteigender Anforderungen an die Reinigungsleistung der Kläranlage helfen dem Verband die Erträge bei den anstehenden Investitionen in die Technik. „Aufgrund der der positiven Erfahrungen mit dieser Anlage haben wir uns entschieden, auch in Marbach eine PV-Anlage auf dem Dach des Betriebsgebäudes der Kläranlage zu errichten“, erklärt Projektingenieur Ralf Lehmann, der bereits die Planungen für diese Anlage vorantreibt. Für den Verbandsvorsitzenden Stadtbaurat Daniel Schreiner sind diese Schritte wichtige Meilensteine auf dem Weg zur Energieneutralität des Verbandes, welche gesetzlich erst für das Jahr 2045 gefordert ist. Gleichzeitig leisten diese Maßnahmen einen wichtigen Beitrag zur Gebührenstabilität und machen den Verband unabhängiger von der Entwicklung der Energiepreise.
