Lokales 24.09.2026

Schwimmbad Waidesgrund: Petersberg setzt auf Gas statt Wärmepumpe

Petersberg (sk) – Die zukünftige Wärmeversorgung des Schwimmbads und ein Antrag der Grünen, den dortigen Parkplatz mit einer Photovoltaikanlage zu überdachen, waren die einzigen Themen in der Gemeindevertretung Petersberg am Mittwoch. Mit großer Mehrheit wurde Letzteres abgelehnt und es wurde die kostengünstige Variante für die Heizung gewählt.

Foto: Görlich Media.

Im Zentrum der Debatte stand ein Haushaltsantrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, der eine fundamentale Abkehr von der bisherigen Planung fordert. Konkret geht es um die laufende Sanierung des Freibads und das dortige Heizsystem. Die Grünen fordern, die geplante fossile Gasheizung durch eine zukunftsfähige, alternative Energieversorgung der Beckenwasserheizung zu ersetzen. Dass das Thema für reichlich politischen Zündstoff sorgt, zeigt die Dynamik kurz vor Sitzungsbeginn: Die CWE-Fraktion hat erst am gestrigen Dienstag einen kurzfristigen Dringlichkeitsantrag zu diesem Thema eingereicht, in dem sie eine Abkehr vom Gas und den Einbau einer Wärmepumpe fordert.

Als maßgebliche Entscheidungsgrundlage liegt den Mandatsträgern eine aktuelle Wirtschaftlichkeitsbetrachtung des Ingenieurbüros Möller + Meyer vor. Die Zahlen der Fachplaner zeigen ein klares, ökonomisches Bild für das Freibad mit seiner 1.172 Quadratmeter großen Beckenwasserfläche. Bei einem bestehenden Gasverbrauch von jährlich rund 320 Megawattstunden erweist sich die reine Wärmepumpenlösung im vereinfachten statischen Ansatz als extrem teuer. Zwar erzielt die Wärmepumpe mit etwa 16.440 Euro die niedrigsten jährlichen reinen Energiekosten, erfordert jedoch eine massive Anfangsinvestition von 470.000 Euro, wovon allein 150.000 Euro auf eine neue Transformatorenanlage entfallen. Daraus resultiert gegenüber einer erweiterten Solarabsorberanlage oder einer Ergänzung dieser mit einer PV-Anlage, beide mit einer Amortisationszeit von etwa sieben Jahren, eine errechnete Amortisationszeit von astronomischen 111 Jahren. Im Antrag des Gemeindevorstands wurde eine Variante aus Gaskessel, Solarthermie und Photovoltaik, welche sich bereits nach knapp sieben Jahren wirtschaftlich amortisieren würde, priorisiert.

Genau gegen diese Empfehlung formiert sich politischer Widerstand der CWE. In einem Dringlichkeitsantrag griff der Fraktions-Vorsitzende Wolfgang Plunien die vorliegende Wirtschaftlichkeitsbetrachtung der Verwaltung frontal an. Plunien kritisiert das Gutachten als „überschlägige Voruntersuchung“ ohne verlässliche Verbindlichkeit, da es rein statisch gerechnet sei und jede dynamische Zukunftskomponente vermissen lasse. Die Christliche Wähler-Einheit fordert stattdessen eine rechtsverbindliche und dynamische Berechnung nach der Industrienorm VDI 2067. Plunien warnt eindringlich davor, sehenden Auges in eine fossile „Betriebskostenfalle“ zu laufen. Durch die Freigabe des CO₂-Zertifikathandels ab 2028 und die absehbare Beimischung von teurem Bio-Erdgas würden fossile Energieträger rapide teurer. Gleichzeitig argumentiert die CWE, dass der angesetzte Strompreis von 22 Cent pro Kilowattstunde eine verzerrende Momentaufnahme sei, da das Freibad in den Sommermonaten betrieben wird – einer Zeit, in der überschüssiger Ökostrom an der Strombörse regelmäßig zu Negativpreisen gehandelt wird. Durch eine Wärmepumpe ließen sich in Petersberg jährlich 64 bis 75 Tonnen CO₂ einsparen. Plunien wirft der Gemeinde zudem massive Unglaubwürdigkeit vor, wenn man sich als offizielle „Klimagemeinde“ mit eigenem Konzept und eigener Klimaschutzmanagerin – die im aktuellen Verfahren nicht einmal beteiligt worden sei – am Ende für die „Technik von gestern“ entscheide.

In der anschließenden Diskussion schloss sich jedoch kein weiterer Vertreter dieser Argumentation an. Für die CDU fragte Tamara Pfaff, weshalb keine Variante mit Fernwärme geprüft wurde. Hierzu erklärte Manuel Schäfer aus der Gemeindeverwaltung, dass es vonseiten der RhönEnergie als unwirtschaftliche Lösung abgelehnt wurde. Die Anregung von Christian Bug (CDU), am klimafreundlichsten sei ein vollständiger Verzicht auf eine Heizung, wobei dies „im Mai sportlich wäre“, wurde nicht weiter aufgegriffen. Kai Völler (Bürgerliste) bezeichnete eine energiesparende Lösung als wünschenswert, aber angesichts der finanziellen Lage sei es auch mit der kostengünstigen Variante schon „eine große Herausforderung, überhaupt ein Schwimmbad zu unterhalten“. Auch hatte er Bedenken hinsichtlich des Lärms durch eine solch große Wärmepumpe mitten im Ort. Die Abstimmung war dann recht eindeutig – außer der CWE stimmten nur die Grünen der teuren Lösung zu.

Ergänzt wird diese klimapolitische Debatte durch einen weiteren Antrag der Grünen. Kira Klüber plädierte mit Nachdruck für die Errichtung einer aufgeständerten Photovoltaikanlage in Form einer großflächigen Parkplatzüberdachung direkt auf dem angrenzenden Gemeindeparkplatz am Waidesgrund. Der erzeugte Strom soll planerisch mit Ladepunkten für Elektrofahrzeuge verbunden und perspektivisch unmittelbar zur Eigenstromnutzung im Freibad eingesetzt werden. Klüber verwies darauf, dass hier bereits versiegelte Flächen sinnvoll doppelt genutzt werden können, ohne weitere Freiflächen zu verbrauchen. Zudem biete die Überdachung den Badegästen im Sommer einen echten Mehrwert durch die Verschattung ihrer Fahrzeuge. Als Finanzierungsmodell schlagen die Grünen die Gründung einer regionalen Bürgerenergiegenossenschaft vor. Prof. Dr. Thomas Stegmann (FDP) sah in dem Antrag „eine gewisse ideologische Arroganz“. Die Gemeindevertretung habe den Bau von PV-Anlagen auf gemeindlichen Gebäuden beschlossen, und bevor dies abgeschlossen sei, komme schon wieder ein neuer Antrag. Sowohl Kai Völler als auch Tamara Pfaff hinterfragten, für wenn der Strom produziert werden soll, da ab nächstem Jahr die garantierte Einspeisevergütung wegfallen soll. Pfaff wies weiter darauf hin, dass in der Vergangenheit der Parkplatz auch als Festplatz genutzt wurde, was mit Annahme des Grünen-Antrags nicht mehr möglich wäre. Entsprechend eindeutig war dann die Abstimmung: Außer den Grünen stimmte nur Wolfgang Plunien für den Antrag.

Gemeindevertretung in Petersberg. Fotos: Stefan Krug.